Vier der wichtigsten Akteure im aktuellen PC-Geschäft haben am 29. Mai zeitgleich denselben Teaser auf X veröffentlicht. Nvidia, Microsofts Windows-Account, Arm und MediaTek posteten unabhängig voneinander den Satz „A new era of PC“ zusammen mit den Koordinaten 25.0528, 121.5990. Wer die Zahlen in Google Maps eingibt, landet direkt am Taipei Music Center, dem Veranstaltungsort der Computex-2026-Eröffnungskeynote von Nvidia-CEO Jensen Huang am 1. Juni. Microsoft-CEO Satya Nadella ist für eine eigene „Special Address“ am selben Tag eingeplant, parallel beginnt die Build-Konferenz von Microsoft. Alles deutet darauf hin, dass die seit Monaten gehandelten Nvidia-PC-Prozessoren N1 und N1X auf dieser Bühne offiziell vorgestellt werden.
Vier koordinierte Teaser, ein gemeinsames Ziel
Die Geschlossenheit der Kommunikation ist das eigentlich Bemerkenswerte. Wenn Nvidia, Microsoft, Arm und MediaTek wortgleich denselben Satz mit denselben Koordinaten posten, geht es nicht um einen weiteren KI-Beschleuniger oder eine Software-Demo, sondern um eine Plattform, an der alle vier Beteiligten produktverantwortlich sind. Nvidia liefert die GPU- und Systemarchitektur, MediaTek den CPU-Teil und die Integration, Arm die Instruktionsarchitektur Armv9.2 inklusive der Cortex-Kerne, und Microsoft das Betriebssystem für eine breite Kundenbasis. Dass MediaTek dabei ist, lässt sich auch aus einer anderen Beobachtung lesen: MediaTek hatte ursprünglich einen eigenen Computex-Slot eingeplant, diesen aber laut mehreren Berichten an Nvidia abgetreten. Das passt zur These einer gemeinsam vorgestellten Plattform statt zweier paralleler Ankündigungen.
Eine konkrete Produktbezeichnung enthalten die Posts nicht. Die Indizien der vergangenen Monate sind aber so dicht geworden, dass die Branche praktisch geschlossen den Schluss zieht: Hier kommt N1X. Lenovo hat in einem internen System einen „NVIDIA N1x Portal“-Eintrag öffentlich gemacht, Dell-Embargos sind laut VideoCardz im Umlauf, ein Engineering-Board mit 128 GB LPDDR5X tauchte im April auf der chinesischen Plattform Goofish auf, und Treiber-Sleuths haben den N1X-Codenamen längst im Nvidia-Treiberstack ab Version 560.x dokumentiert.
Die geleakten Eckdaten der N1X-Plattform
Das technische Profil ist bemerkenswert. N1X soll als System-on-Chip auf TSMCs 3-Nanometer-Prozess gefertigt werden und basiert architektonisch auf demselben GB10-Superchip, der bereits in Nvidias DGX-Spark-Mini-Supercomputer arbeitet. Auf der CPU-Seite kombiniert MediaTek zehn Cortex-X925-Performance-Kerne mit zehn Cortex-A725-Effizienzkernen zu einem 20-Kern-Heterogen-Cluster. Beide Cluster verfügen jeweils über 16 MB L3-Cache. Frühe Geekbench-6-Ergebnisse aus dem Linux-Umfeld liegen bei rund 3.096 Punkten im Single-Core und 18.837 im Multi-Core. Das spielt direkt im Revier von Intels Core Ultra 9 285HX und AMDs Ryzen AI Max, bleibt aber unter Apples M4 Max.
Das eigentliche Differenzierungsmerkmal ist die GPU. Nvidia integriert eine Blackwell-iGPU mit 48 Streaming-Multiprozessoren und 6.144 CUDA-Kernen, derselbe Core-Count wie bei der dedizierten Desktop-GeForce RTX 5070. Hinzu kommen 192 Tensor-Kerne für DLSS-5-Beschleunigung. Allerdings ist der GPU-Takt durch das Notebook-Powerbudget stark begrenzt, frühe Engineering-Samples zeigten Boost-Taktraten um 1,05 GHz, realistische Serien-Boost-Werte werden bei 1,5 bis 1,8 GHz vermutet. Damit erreicht die iGPU nicht die Leistung eines vollwertigen RTX-5070-Notebooks, schlägt aber jede bislang in einen Arm-PC-Chip integrierte Grafikeinheit um Längen.
Auf der Speicherseite setzt N1X auf ein 256-Bit-Interface mit LPDDR5X bis 9400 MT/s, was rund 273 GB/s Bandbreite ergibt, vergleichbar mit Apples M5 Pro oder AMDs Strix Halo. Die Maximalkapazität liegt bei 128 GB Unified Memory, geteilt zwischen CPU und GPU. Die TDP wird auf 120 bis 140 Watt für den Gesamt-SoC geschätzt, was N1X klar in die Workstation- und High-End-Gaming-Notebook-Klasse rückt. Die ausgegliederte N1-Variante zielt mit weniger Kernen und geringerer Leistungsaufnahme auf dünnere Ultrabooks.
Acht Launch-Modelle in Sichtweite
Berichte über kommende Geräte zeigen eine breite OEM-Aufstellung. Dell und Lenovo werden in Embargo-Dokumenten und Lenovo-internen Support-Seiten konkret genannt, ASUS und weitere Partner stehen ebenfalls in der Pipeline. Insgesamt sollen acht Launch-Modelle quer durch Produktivitäts-, Premium- und Gaming-Kategorien starten, der Verkaufsbeginn ist im zweiten Halbjahr 2026 zu erwarten. Eine Nachfolgegeneration aus N2- und N2X-Chips ist nach VideoCardz-Angaben für das dritte Quartal 2027 in Planung.
Microsofts Windows-11-Sonderzweig 26H1 als zweite Hälfte der Geschichte
Die zweite, oft übersehene Hälfte der Story spielt sich in Windows ab. Microsoft hat im Februar 2026 die Sonderversion Windows 11 26H1 veröffentlicht, die ausdrücklich für zukünftige Arm-basierte Geräte gedacht ist. ASUS hatte den Build im Vorfeld der Snapdragon-X2-Plattform zugeordnet, mehrere Berichte legen aber nahe, dass derselbe Build auch das Nvidia-N1X-Ökosystem trägt. Bezeichnend ist, dass 26H1 keinen direkten Upgrade-Pfad zur regulären 26H2-Herbstversion bekommt, sondern einen eigenen Update-Strang erhält. Microsoft trennt damit den Arm-Zweig betriebssystemseitig formal vom regulären Windows-11-Pfad und schafft eine Plattform, in die sich neue Arm-SoCs sauber einpassen lassen, ohne den Mainstream-Zweig zu komplizieren.
Genau dieser Schritt ist die strukturelle Voraussetzung dafür, dass Nvidia und MediaTek mit N1X überhaupt sinnvoll am Windows-Markt teilnehmen können. Ohne ein Microsoft-seitiges Plattformcommitment käme ein neuer Arm-Anbieter erneut in dieselbe Situation, in der Qualcomm jahrelang ausharren musste: zertifizierte Hardware, aber begrenzter Software- und Treibersupport. Mit 26H1 als Arm-First-Build und Microsofts sichtbarer Beteiligung am Teaser zeichnet sich ab, dass Windows on Arm dieses Mal mit deutlich mehr Rückendeckung an den Start geht.
Was sich für den Wettbewerb mit Intel, AMD und Qualcomm verändert
Mit N1X bekommt Windows on Arm den Spieler, der dem Format bislang gefehlt hat: einen GPU-starken Anbieter, der direkt aus dem CUDA- und Blackwell-Ökosystem heraus argumentiert. Qualcomms Snapdragon X Elite und X2 punkten bei CPU-Effizienz und Akkulaufzeit, hängen aber bei Grafik und lokaler KI-Inferenz hinter dem zurück, was Nvidia mit einer Blackwell-iGPU und 192 Tensor-Kernen in dasselbe Chassis bringen kann. Für Anwender, die lokal größere KI-Modelle, Bild- oder Videogeneration betreiben wollen, ist der Sprung gegenüber bisherigen Copilot+-PCs spürbar.
Intel und AMD verlieren auf dem Papier zunächst keine Marktanteile, dürften aber strategisch unter Druck geraten. Der x86-Bonus über die Software-Kompatibilität schmilzt, wenn Microsoft Arm und x86 in derselben Build-Kadenz hält und Nvidia über die eigene Treiberbasis CUDA-Workloads in den mobilen Bereich bringt. Mittelfristig wird damit jeder OEM, der heute auf Core Ultra oder Ryzen AI setzt, eine N1X-Variante in seiner Roadmap prüfen. Intels Wildcat-Lake-Generation in der unteren Mitte und Panther Lake im Premium-Segment bleiben preislich attraktiv, der GPU-Anteil bei N1X ist aber konkurrenzlos in einem Arm-SoC.
Computex 2026 wird zum Inflexionspunkt
Die Computex selbst bekommt durch die koordinierten Teaser einen ungewöhnlich hohen Stellenwert. Drei Großereignisse kollidieren in derselben Woche: Huangs Keynote am 1. Juni um 11 Uhr Ortszeit, Nadellas „Special Address“ am selben Tag und Microsoft Build im Anschluss. Wenn die Erwartung trägt, wird auf dieser Bühne nicht nur ein neuer Chip vorgestellt, sondern eine komplette Windows-on-Arm-Plattform mit OS, CPU, GPU und einer angekündigten OEM-Wand. Ein vergleichbares Setup gab es zuletzt 2024, als Qualcomm und Microsoft Copilot+ erstmals gemeinsam inszenierten.
Wie viel der Erwartung sich am 1. Juni tatsächlich erfüllt
Der Teaser-Schwarm dieser Woche ist der bislang deutlichste Hinweis, dass N1X in greifbarer Nähe steht. Bestätigt ist offiziell weiterhin nichts, weder Produktnamen noch Preise, weder Taktraten noch die konkrete OEM-Liste. Was am 1. Juni in Taipeh tatsächlich gezeigt wird, hängt unter anderem davon ab, wie weit Nvidia und MediaTek mit dem Silizium-Validierung sind und welche Geräte Dell, Lenovo und ASUS zum Start auf der Bühne mitbringen können. Die Indizienlage ist allerdings so dicht, dass eine Computex ohne N1X-Reveal die größere Überraschung wäre als die Vorstellung selbst. Ab Montag ist klar, ob die „neue Ära des PC“ eine Marketingformel oder tatsächlich der Startschuss für die ernsthafteste Nicht-x86-Plattform unter Windows seit Jahren wird.
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Quelle: Nvidia, Microsoft, Arm und MediaTek deuten gemeinsam auf neue PC-Plattform zur Computex 2026 hin

by BlackRabbitZ