Der chinesische Prozessorhersteller Loongson hat mit dem 3C3000 einen neuen Serverprozessor für kostengünstige Unternehmens- und Infrastruktursysteme vorgestellt. Der Chip setzt auf die hauseigene LoongArch-Architektur, bietet 16 physische Prozessorkerne und soll bei einer Taktfrequenz von 1,5 GHz mit einer typischen Leistungsaufnahme von lediglich 40 Watt auskommen. Zielgruppe sind vor allem Datei-, Web- und Datenbankserver für kleine und mittlere Unternehmen.
16 Kerne ohne SMT
Im 3C3000 arbeiten insgesamt 16 LA364E-Kerne, die jeweils einen Thread ausführen. Simultaneous Multithreading (SMT) wird nicht unterstützt, sodass maximal 16 Threads gleichzeitig verarbeitet werden.
Die Kerne arbeiten mit Taktraten zwischen 1,5 und 1,8 GHz und verfügen über eine Triple-Issue-Out-of-Order-Architektur. Pro Kern integriert Loongson zwei Integer-Einheiten, eine 128-Bit-Vektoreinheit sowie zwei Speicherzugriffseinheiten. Im Vergleich zu den moderneren LA664-Kernen der 3C6000-Serie fällt die Ausführungseinheit allerdings deutlich einfacher aus.
Technische Daten des Loongson 3C3000
| Merkmal | Loongson 3C3000 |
|---|---|
| Architektur | 64-Bit LoongArch |
| CPU-Kerne | 16 × LA364E |
| Threads | 16 |
| Taktfrequenz | 1,5 bis 1,8 GHz |
| Cache | 64 KB L1-I + 64 KB L1-D je Kern, 16 MB gemeinsamer L2 |
| Arbeitsspeicher | 2 × DDR4-2400 (72 Bit) mit ECC |
| PCI Express | 32 PCIe-Lanes über zwei x16-Interfaces |
| Mehrprozessorsystem | Loongson Coherent Link (LCL) |
| Gehäuse | FCBGA1371 |
| Typische Leistungsaufnahme | 40 Watt bei 1,5 GHz |
Jeder Kern besitzt 64 KB Instruktions- und 64 KB Datencache. Alle Kerne greifen gemeinsam auf einen 16 MB großen L2-Cache zu. Einen separaten L3-Cache nennt Loongson für den 3C3000 nicht.
DDR4-ECC und Unterstützung für Zwei-Sockel-Systeme
Der integrierte Speichercontroller unterstützt zwei 72-Bit-DDR4-2400-Kanäle inklusive ECC-Fehlerkorrektur. Im Vergleich zu aktuellen x86-Serverplattformen fällt die Speicheranbindung zwar vergleichsweise schmal aus, entspricht aber dem geplanten Einsatzgebiet als kostengünstige Serverplattform.
Für Erweiterungskarten stehen insgesamt 32 PCIe-Lanes bereit. Zusätzlich kann eine weitere x16-Verbindung als Loongson Coherent Link (LCL) konfiguriert werden, um zwei Prozessoren in einem Dual-Socket-System miteinander zu verbinden. Dadurch wären Systeme mit bis zu 32 physischen CPU-Kernen möglich.
Darüber hinaus integriert der Prozessor verschiedene Schnittstellen wie SPI, UART, drei I²C-Controller sowie GPIO-Leitungen und ein Sicherheitsmodul mit Unterstützung chinesischer Kryptografie-Standards.
Vergleich mit 3C5000 und 3C6000
Der 3C3000 positioniert sich klar unterhalb der leistungsstärkeren Serverprozessoren von Loongson.
| Merkmal | 3C3000 | 3C5000 | 3C6000/S |
| CPU-Kerne | 16 | 16 | 16 |
| Threads | 16 | 16 | 32 |
| CPU-Kern | LA364E | LA464 | LA664 |
| Takt | 1,5–1,8 GHz | 2,0–2,2 GHz | 2,0–2,2 GHz |
| Speicher | 2 × DDR4-2400 | 4 × DDR4-3200 | 4 × DDR4-3200 |
| Cache | 16 MB L2 | 32 MB L3 + L2 je Kern | 32 MB L3 + L2 je Kern |
| Typische Leistungsaufnahme | 40 W* | 150 W | 100–120 W |
*Angabe des Herstellers bei 1,5 GHz.
Laut Loongson soll der 3C3000 trotz niedrigerem Takt eine Gesamtleistung auf dem Niveau des älteren 3C5000 erreichen. Unabhängige Benchmarks liegen bislang allerdings nicht vor.
40 Watt sind keine klassische TDP
Besonders auffällig ist die geringe Leistungsaufnahme von 40 Watt. Allerdings bezieht sich dieser Wert ausdrücklich auf einen Betrieb mit 1,5 GHz. Angaben zur maximalen Leistungsaufnahme bei 1,8 GHz oder zu einer offiziellen TDP veröffentlicht Loongson bislang nicht.
Ein direkter Vergleich mit anderen Serverprozessoren ist deshalb nur eingeschränkt möglich.
Fokus auf den chinesischen Markt
Mit der eigenen LoongArch-Architektur verfolgt Loongson das Ziel, unabhängiger von x86- und Arm-Lizenzen zu werden. Für chinesische Behörden und Unternehmen, die bereits auf entsprechende Software setzen, kann dies ein wichtiger Vorteil sein.
International bleibt die Plattform dagegen vor Herausforderungen. Anwendungen, die ausschließlich für x86-64 entwickelt wurden, benötigen Portierungen, Emulationslösungen oder spezielle Kompatibilitätsschichten. Hinzu kommt ein deutlich kleineres Hard- und Software-Ökosystem als bei AMD, Intel oder Arm.
Einschätzung
Der Loongson 3C3000 richtet sich weniger an maximale Rechenleistung als an energieeffiziente und preisgünstige Serverlösungen. Mit 16 LoongArch-Kernen, ECC-Speicher und Unterstützung für Dual-Socket-Konfigurationen deckt der Prozessor typische Infrastrukturaufgaben ab. Ob die vom Hersteller angekündigte Leistung tatsächlich erreicht wird, müssen unabhängige Tests allerdings erst noch zeigen. Ebenso offen bleiben Angaben zu Preis, Fertigungsprozess und ersten verfügbaren Serversystemen.
Der Beitrag Loongson stellt 3C3000 vor: 16 LoongArch-Kerne für energieeffiziente Server erschien zuerst auf Hardware News.
Quelle: Loongson stellt 3C3000 vor: 16 LoongArch-Kerne für energieeffiziente Server

by BlackRabbitZ