Intel scheint die nächste Generation seines ATX12VO-Netzteilstandards in Vorbereitung zu haben. Aus geleakten Präsentationsfolien, die der X-Account @momomo_us am 29. Mai veröffentlicht hat, geht hervor, dass eine dritte Revision des 12-Volt-only-Standards mit deutlich verbesserter Effizienz, neuen Betriebsmodi und einem überarbeiteten Hauptstecker kommen soll. Eine offizielle Ankündigung steht aus, die zeitliche Nähe zur Computex 2026 ab dem 2. Juni lässt aber eine Vorstellung im Rahmen der Messe plausibel erscheinen. Intel hatte ATX12VO erstmals 2020 eingeführt und 2022 zur Version 2.0 ausgebaut, jeweils mit dem Ziel, vor allem den Idle-Stromverbrauch klassischer Desktop-Systeme deutlich zu senken.
Was die Folien zeigen
Im Mittelpunkt der V3-Spezifikation steht ein neuer 8-Pin-Anschluss, der die bisherigen 10-Pin-Hauptstecker ablösen oder ergänzen soll. Parallel verschwindet die separate Standby-Schiene komplett. Standby-Funktionen sollen künftig anders abgebildet werden, ein Schritt, der zur generellen Stoßrichtung der Spezifikation passt: weniger getrennte Versorgungspfade, weniger Verluste in Phasen mit niedriger Last. Intel führt außerdem zwei explizit benannte Betriebsmodi ein, Low Power und High Power, die laut Leak sowohl Sicherheit als auch Effizienz adressieren. Die genaue Umsetzung bleibt offen, plausibel ist ein dynamischer Wechsel zwischen einem extrem stromsparenden Modus für Idle- und leichte Office-Lasten und einem Hochlastmodus für Gaming oder Workstation-Workloads.
Die Effizienzangaben aus den Folien sind beachtlich. Gegenüber klassischen Multi-Rail-ATX-Netzteilen soll ATX12VO V3 im Idle-Betrieb bis zu 29 Prozent effizienter arbeiten, unter Last immer noch bis zu 12 Prozent. Solche Werte ergeben sich nicht ausschließlich aus der Standard-Aktualisierung, sondern aus der Kombination des konsequenten 12-Volt-only-Ansatzes mit den neuen Betriebsmodi. Die Größenordnung passt zu den bisherigen ATX12VO-Generationen, bei denen das deutsche Magazin Heise schon 2020 ein Testsystem auf unter sieben Watt Idle-Verbrauch gebracht hatte, ein Wert, den konventionelle ATX-Systeme selbst mit aggressiven C-State-Einstellungen kaum erreichen.
PMBUS als zweite große Neuerung
Mindestens so interessant wie der neue Stecker ist die geplante Übernahme von PMBUS aus der Serverwelt. PMBUS, die Power Management Bus-Spezifikation, ermöglicht eine bidirektionale digitale Kommunikation zwischen Netzteil und System. In Rechenzentrumsumgebungen ist das seit Jahren Standard und liefert Telemetrie zu Spannungen, Strömen, Temperaturen, Lüftergeschwindigkeiten und Fehlern in Echtzeit. Auf dem Desktop fehlt diese Schnittstelle bislang weitgehend. ATX12VO V3 soll dafür vier optionale zusätzliche Pins am Mainboard-Stecker mitbringen, womit der Stecker auf insgesamt zwölf Pins kommt, wenn alle PMBUS-Funktionen genutzt werden.
Für Endanwender hieße das, dass moderne Mainboards und OEM-Tools künftig Netzteildaten direkt auslesen können, ohne dass dafür spezielle Hardware oder herstellerspezifische Protokolle nötig sind. Auch automatisches Anpassen der Netzteil-Lüfter-Kurve, präzises Lastmonitoring oder vorausschauende Fehlerdiagnose werden damit realistisch umsetzbar. Aus Sicht von Workstations und Servern, die schrittweise in Desktop-Formfaktoren wandern, ist das ein längst überfälliger Schritt.
Warum ATX12VO bislang ein Nischenstandard geblieben ist
Trotz der technischen Vorzüge hat sich ATX12VO seit 2020 nur sehr zögerlich durchgesetzt. Im DIY-Markt fristet der Standard ein Schattendasein, weil sich nahezu alle Mainboard-Hersteller und Netzteilanbieter auf die etablierte 24-Pin-Welt eingestellt haben und der ATX-3.1-Standard mit dem 12V-2×6-Anschluss seit 2024 die Aufmerksamkeit der GPU-zentrierten Käuferschaft auf sich zieht. ATX12VO-fähige Komponenten gibt es bislang vor allem im OEM-Bereich, wo Energiemandate wie die kalifornische Tier-2-Effizienz-Vorschrift, das US-Energy-Star-Programm und Japans Top-Runner-Regulierung die Hersteller direkt zwingen, Idle-Verbrauch nach unten zu drücken.
Im Retail-Segment gibt es bislang vor allem MSI als treibende Kraft, zuletzt mit den Modellen Pro B650 12VO WiFi und Pro H610M 12VO sowie einem hauseigenen 12VO-Netzteil. Asrocks Z490 Phantom Gaming 4SR markierte 2020 den Startpunkt, blieb aber lange ein Einzelfall. Enermax demonstriert mit dem PlatiGemini einen Dual-Standard-Ansatz, der sowohl ATX 3.1 als auch ATX12VO bedient und damit den Kompatibilitätssprung erleichtern soll. Gerade dieser Dual-Standard-Weg könnte mit V3 attraktiver werden, weil sich Netzteilhersteller den Aufwand sparen, zwei komplett getrennte Produktlinien zu pflegen.
Was sich für SATA-Geräte ändert
Eine der praktischen Hürden von ATX12VO blieb bislang die Stromversorgung klassischer SATA-Komponenten wie 2,5-Zoll-SSDs, 3,5-Zoll-HDDs oder All-in-One-Wasserkühlungen, die 5-Volt-Versorgung benötigen. Statt direkt aus dem Netzteil kommt diese bei ATX12VO-Boards aus zusätzlichen Stromanschlüssen am Mainboard, die per Adapter an die Laufwerke geführt werden müssen. ATX12VO V3 ändert daran zunächst nichts, allerdings könnte die Kombination aus PMBUS und expliziten Low- beziehungsweise High-Power-Modi dazu führen, dass Mainboard-Hersteller intelligenter zwischen Wachzustand und Tiefschlaf der angeschlossenen Geräte schalten können. Das senkt insbesondere bei Bestandssystemen mit mehreren mechanischen Laufwerken den durchschnittlichen Stromverbrauch.
Welche Rolle die Computex 2026 spielen dürfte
Die Computex ist traditionell die Bühne, auf der Intel Plattform-Spezifikationen den OEM-Partnern offiziell präsentiert. ATX 3.0 und ATX12VO 2.0 wurden im März 2022 zwar unabhängig von der Messe vorgestellt, der eigentliche OEM-Schub kam aber erst über die Computex desselben Jahres. Wenn Intel ATX12VO V3 in dieser Woche tatsächlich offiziell macht, dürfte das Unternehmen die Spezifikation eng mit OEM-Partnern und Netzteilherstellern wie FSP, Channel Well Technology, High Power, Corsair und Enermax einbringen. Erste Produkte sind realistisch nicht vor Ende 2026 oder Anfang 2027 zu erwarten, da Netzteilhersteller laut früheren VideoCardz-Berichten rund vier Monate für die Massenproduktion einer neuen ATX12VO-Generation benötigen, Mainboard-Hersteller weitere vier bis fünf Monate für die Verifizierung.
Für den Heim-Selbstbau-Markt entscheidet sich das Schicksal von ATX12VO V3 daran, ob die großen Mainboard-Hersteller Asus, MSI, Asrock und Gigabyte den neuen Standard breiter ins Portfolio nehmen. Solange ATX12VO im DIY-Bereich vor allem als Pflichtübung für Office-Plattformen wahrgenommen wird, bleibt der Standard auf OEM-Komplettsysteme begrenzt. Mit PMBUS und den neuen Effizienzmodi bekommt V3 aber Argumente, die auch jenseits der Energiebilanz interessant sind, etwa für Workstation-Konfigurationen mit hohem Komfortanspruch oder für Small-Form-Factor-Builds, in denen jeder Watt Wärmeabgabe zählt.
Wo der eigentliche Hebel von ATX12VO V3 liegt
Die geleakten Eckdaten lesen sich auf den ersten Blick wie eine Inkrementsanpassung, der eigentliche Hebel liegt aber in der Kombination aus drei Einzelelementen. Der Wegfall der Standby-Schiene reduziert den dauerhaften Grundverbrauch eines ausgeschalteten Systems, die neuen Power-Modi sorgen dafür, dass das Netzteil im Tagesgeschäft seltener im ineffizienten Niedriglastbereich arbeitet, und die PMBUS-Integration öffnet die Tür für eine deutlich präzisere Steuerung über Betriebssystem und Mainboard-Firmware. Gemeinsam ergeben diese Punkte ein Bild, in dem ATX12VO nicht mehr nur als energiepolitische Pflichtspezifikation für OEMs erscheint, sondern als technisch fortgeschrittenere Alternative zur klassischen ATX-Architektur. Ob der DIY-Markt diese Argumente diesmal stärker aufnimmt als bei V1 und V2, ist die offene Frage. Wahrscheinlicher ist zunächst, dass Workstation-Hersteller, Mini-PC-Anbieter und Energiesensible Pre-Built-Systeme die ersten Profiteure werden, bevor sich der Standard breiter ausbreitet. Eine offizielle Bestätigung durch Intel zur Computex wäre der nächste Schritt, mit Detail-Spezifikationen, einer fertigen Steckerkonfiguration und einem Lizenzfahrplan für Hersteller.
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Quelle: Leak deutet ATX12VO V3 mit neuem 8-Pin-Stecker, PMBUS und höherer Effizienz an

by BlackRabbitZ