RabbitZ INFO

Irtysh C632: Russisch-chinesische LoongArch-CPU startet The Witcher 3 mit Radeon RX 9060 XT

img
Apr.
27

Eine ungewöhnliche CPU-Demo sorgt aktuell für Aufmerksamkeit: Der russisch-chinesische Irtysh C632 Prozessor wurde in Verbindung mit einer AMD Radeon RX 9060 XT beim Start von The Witcher 3 gezeigt. Die Frameraten liegen je nach Grafikpreset zwischen 22 und 38 FPS. Das klingt auf den ersten Blick nicht beeindruckend, ist technisch aber trotzdem interessant, weil das Spiel nicht auf einer klassischen x86-Plattform lief, sondern auf einer LoongArch-basierten CPU mit zusätzlicher Kompatibilitätsschicht.

Key Facts

  • Der getestete Prozessor ist der Irtysh C632 mit 32 Kernen und 64 Threads.
  • Die CPU basiert auf der chinesischen LoongArch-Architektur.
  • The Witcher 3 lief unter Linux über Kompatibilitäts- und Übersetzungsschichten.
  • Mit einer Radeon RX 9060 XT wurden 25 bis 38 FPS auf niedrigen Einstellungen und 22 bis 32 FPS auf Ultra genannt.
  • Die schwache Skalierung zwischen Low und Ultra deutet eher auf ein CPU- und Softwarelimit als auf ein GPU-Limit hin.

Warum dieser Benchmark überhaupt spannend ist

The Witcher 3 ist kein neues Spiel mehr. Auf einem modernen x86-Gaming-PC mit einer Radeon RX 9060 XT wäre der Titel normalerweise keine große Herausforderung. Genau deshalb ist diese Demo interessant: Sie zeigt weniger die Leistungsfähigkeit der Grafikkarte, sondern vor allem den Zustand eines alternativen CPU-Ökosystems außerhalb von Intel, AMD und klassischen Windows-PCs.

Der Irtysh C632 ist kein Gaming-Prozessor im üblichen Sinn. Das Modell wird eher im Kontext von Servern, staatlicher IT, Rechenzentren und technologischer Unabhängigkeit positioniert. Laut ComputerBase handelt es sich bei der gezeigten CPU konkret um den Irtysh C632 eines noch jungen Unternehmens, der auf LoongArch basiert und mit 32 Kernen sowie 64 Threads arbeitet.

Gerade deshalb ist ein Spiel wie The Witcher 3 ein brauchbarer Praxistest. Es zeigt, ob ein solches System nicht nur synthetische Benchmarks oder angepasste Software ausführen kann, sondern auch komplexe x86-Anwendungen mit Grafiklast, Treibern, Eingabeverarbeitung und Übersetzungsschichten.

Die gemessenen FPS wirken niedrig, aber erklärbar

Die veröffentlichten Werte liegen bei 25 bis 38 FPS auf niedrigen Einstellungen und 22 bis 32 FPS auf Ultra. IXBT nennt dieselben Größenordnungen und verweist darauf, dass The Witcher 3 auf dem Irtysh-System zusammen mit einer Radeon RX 9060 XT über Proton gestartet wurde.

Auffällig ist der geringe Abstand zwischen niedrigen und Ultra-Einstellungen. Normalerweise würde eine moderne Mittelklasse-GPU wie die RX 9060 XT in einem älteren Spiel bei niedrigeren Details deutlich stärker zulegen. Wenn die Framerate aber nur begrenzt steigt, liegt der Flaschenhals wahrscheinlich nicht bei der GPU, sondern bei CPU, Treiberpfad, Übersetzungsschicht oder Speicher- und API-Handling.

Das macht die Demo nicht wertlos. Im Gegenteil: Sie zeigt ziemlich klar, wo alternative Plattformen heute stehen. Die Hardware kann ein großes PC-Spiel ausführen, aber die Softwareumgebung ist noch weit davon entfernt, die Leistung einer modernen Grafikkarte sauber auszunutzen.

LoongArch bleibt der entscheidende Unterschied

LoongArch ist eine von Loongson entwickelte chinesische CPU-Architektur und kein x86-Derivat. Für normale PC-Spiele ist das ein Problem, weil die meisten Titel für x86-Prozessoren und Windows- oder Linux-Umgebungen mit x86-Kompatibilität entwickelt wurden. Läuft ein solches Spiel auf einer anderen Architektur, braucht es zusätzliche Übersetzungsschichten.

ComputerBase nennt für die Demo Linux sowie Proton, Wine und vermutlich Box64 zur Ausführung von x86-Code auf einer anderen Architektur. Genau diese Kombination erklärt, warum eine starke Grafikkarte allein nicht reicht. Die GPU kann nur so schnell arbeiten, wie die Plattform ihr Daten, API-Aufrufe und übersetzten Code zuführt.

Bei Spielen ist das besonders kritisch. Ein Server-Workload kann oft angepasst, neu kompiliert oder speziell optimiert werden. Ein kommerzielles PC-Spiel wie The Witcher 3 bringt dagegen eine lange Kette aus Engine, Grafik-API, Treiber, Eingaben, Shadern und Systembibliotheken mit. Jede zusätzliche Übersetzung kostet Leistung.

Radeon RX 9060 XT ist hier nicht der eigentliche Maßstab

Die Radeon RX 9060 XT dient in diesem Test vor allem als Beweis, dass moderne AMD-Grafikhardware grundsätzlich mit dem System zusammenarbeiten kann. Ihre tatsächliche Gaming-Leistung wird durch diesen Benchmark aber kaum abgebildet.

In einem normalen x86-PC wäre The Witcher 3 mit dieser GPU deutlich weniger problematisch. Die niedrigen FPS auf dem Irtysh-System sagen daher mehr über Plattformreife, CPU-Frontend, Übersetzungsschichten und Treiberpfad aus als über die Grafikkarte selbst. Das ist ein wichtiger Punkt, weil sonst schnell der falsche Eindruck entsteht, die RX 9060 XT sei der limitierende Faktor.

Die fast identischen Werte zwischen Low und Ultra sprechen eher für ein Plattformlimit. Wenn die GPU wirklich überfordert wäre, müsste der Wechsel auf niedrige Details deutlich stärker helfen.

Irtysh ist auch politisch und strategisch interessant

Der Irtysh C632 ist nicht nur ein technisches Kuriosum. Er steht auch für den Versuch, außerhalb westlicher CPU-Ökosysteme eigene oder angepasste Plattformen aufzubauen. Tom’s Hardware berichtete bereits im März, dass Tramplin Electronics Irtysh-Prozessoren mit 16 und 32 Kernen auf Basis von LoongArch präsentiert hat. Gleichzeitig wurden dort deutliche Zweifel geäußert, ob es sich um wirklich eigenständige russische Entwicklungen oder eher um sehr eng an Loongson angelehnte beziehungsweise umgelabelte Chips handelt.

Diese Einordnung ist wichtig. Die Bezeichnung „russisch-chinesisch“ beschreibt die Lage besser als eine rein russische CPU. Die Architektur kommt aus China, während russische Firmen offenbar eigene Plattformanpassungen, Branding, Softwareintegration und Einsatzszenarien rund um die Chips entwickeln.

CNews berichtete zudem, dass Tramplin Electronics 1,3 Milliarden Rubel für die Entwicklung des Irtysh-Projekts erhalten beziehungsweise aufgenommen haben soll. Auch das zeigt, dass hinter der Plattform nicht nur ein einzelnes Experiment steht, sondern ein breiterer Versuch, alternative Hardware für Märkte zu schaffen, die durch Sanktionen und Lieferkettenprobleme weniger Zugang zu westlicher Technik haben.

Für Gaming ist das noch keine echte Alternative

Trotz der erfolgreichen Demo sollte man den Irtysh C632 nicht als kommenden Gaming-Geheimtipp missverstehen. 22 bis 38 FPS in The Witcher 3 mit einer modernen Grafikkarte sind aus Spielersicht schwach. Für einen normalen Gaming-PC wäre dieses Ergebnis enttäuschend.

Der Punkt ist aber ein anderer: Die Demo zeigt, dass große PC-Spiele auf LoongArch-Systemen überhaupt lauffähig gemacht werden können. Das ist ein Zwischenschritt, kein Durchbruch. Von einer alltagstauglichen Gaming-Plattform wäre Irtysh noch weit entfernt, solange Übersetzungsschichten, Treiber, Spielekompatibilität und Performance nicht deutlich reifer werden.

Für Russland und China dürfte Gaming ohnehin nicht das primäre Ziel sein. Wichtiger sind Server, staatliche IT, industrielle Anwendungen und souveräne Hardwareplattformen. Spiele dienen hier eher als öffentlichkeitswirksamer Testfall, weil Frameraten leicht verständlich sind und schnell zeigen, wie weit die Softwarekompatibilität tatsächlich reicht.

Was der Benchmark wirklich beweist

Der Irtysh-Test beweist nicht, dass LoongArch kurz davorsteht, x86 im Gaming zu ersetzen. Er beweist auch nicht, dass die Radeon RX 9060 XT auf dieser Plattform gut ausgelastet wird. Was er aber zeigt: Alternative CPU-Architekturen kommen langsam an den Punkt, an dem sie komplexe Consumer-Software über Kompatibilitätsschichten ausführen können.

Das ist technisch relevant, weil sich Hardwaremärkte zunehmend fragmentieren. Neben x86 gewinnen ARM, RISC-V, LoongArch und spezialisierte Beschleuniger an Bedeutung. Nicht jede Architektur wird im Gaming erfolgreich sein, aber jede funktionierende Softwarebrücke erhöht die praktische Nutzbarkeit solcher Plattformen.

Genau darin liegt die Bedeutung dieser Demo. The Witcher 3 läuft nicht schnell, aber es läuft. Für ein System abseits des klassischen PC-Ökosystems ist das ein Achtungserfolg.

Ein Achtungserfolg mit klaren Grenzen

Der Irtysh C632 zeigt mit The Witcher 3, wie weit alternative CPU-Plattformen inzwischen gekommen sind und wie weit sie noch gehen müssen. Die Kombination aus LoongArch-CPU, Linux, Proton, zusätzlicher Übersetzung und Radeon RX 9060 XT bringt ein großes PC-Spiel tatsächlich auf den Bildschirm. Mehr als 22 bis 38 FPS werden daraus aber noch nicht.

Für Spieler ist das keine echte Kaufempfehlung. Für die Hardwarebranche ist es trotzdem spannend. Die Demo macht sichtbar, dass geopolitisch motivierte Chipentwicklung, chinesische Architekturarbeit und offene Linux-Kompatibilität zunehmend ineinandergreifen. Der Benchmark ist daher weniger eine Gaming-Sensation als ein Blick auf eine Parallelwelt des PC-Marktes: technisch unfertig, politisch aufgeladen und langfristig deutlich interessanter, als die niedrigen FPS zunächst vermuten lassen.

Der Beitrag Irtysh C632: Russisch-chinesische LoongArch-CPU startet The Witcher 3 mit Radeon RX 9060 XT erschien zuerst auf Hardware News.


Quelle: Irtysh C632: Russisch-chinesische LoongArch-CPU startet The Witcher 3 mit Radeon RX 9060 XT