Intel bringt mit Nova Lake-S erstmals ein ernsthaft auf Cache optimiertes Gaming-Lineup auf den Desktop-Markt und zielt damit direkt auf AMDs erfolgreiche X3D-Linie. Laut neuen Leaks, die unter anderem von VideoCardz, Jaykihn und kopite7kimi stammen und am 18. und 19. April 2026 konkretisiert wurden, plant Intel unter der Core-Ultra-400-Serie zwei neue Cache-Klassen: die Core-Ultra-400D-Reihe mit einem Compute-Tile und 144 MB bLLC sowie die Core-Ultra-400DX-Spitzenmodelle mit zwei Compute-Tiles und 288 MB bLLC. Das ist rechnerisch 50 Prozent mehr L3-Cache als im gerade erst vorgestellten AMD Ryzen 9 9950X3D2 Dual Edition und wäre der erste echte Angriff Intels auf das Feld, in dem AMD seit drei Generationen praktisch allein steht.
Was D und DX technisch unterscheiden
Die Namensgebung folgt dem Muster, das Intel aus der alten Core-X-Ära kennt, überträgt es aber in ein Segment, das vor allem Gamer und Enthusiasten adressieren soll. Die D-Modelle sind Single-Tile-K-Varianten mit bLLC – einem auf dem Die selbst integrierten, deutlich vergrößerten Last-Level-Cache. Der Core Ultra 9 D9 400 kommt laut Jaykihn auf 28 Kerne (8P + 16E + 4 LPE) und 144 MB L3, der Core Ultra 7 D7 400 auf 24 Kerne (8P + 12E + 4 LPE) mit derselben Cachegröße. Beide Varianten entsprechen damit der Kachel-Konfiguration, die bereits zuvor als „premium gaming“-Klasse in Roadmap-Leaks aufgetaucht war.
Die DX-Modelle sind das eigentliche Signal. Der Core Ultra 9 DX9 400 nutzt zwei Compute-Tiles und erreicht die bereits mehrfach geleakten 52 Kerne in der Aufteilung 16P + 32E + 4 LPE, kombiniert mit 288 MB L3-Cache. Darunter steht laut Notebookcheck ein Core Ultra 7 DX7 400 mit 44 Kernen (14P + 24E + 4 LPE) und identischen 288 MB L3. Beide DX-Varianten verteilen den Cache symmetrisch auf die zwei Compute-Tiles, was mechanisch bedeutet: jede Tile bringt 144 MB bLLC mit. In der Praxis nutzen Spiele laut bisherigen Einschätzungen ohnehin nur eine Tile effektiv, die zweite wirkt für Multi-Thread-Workloads wie klassische HEDT-Kapazität. Daneben existiert ein nicht explizit mit D- oder DX-Branding versehener 65-Watt-Core Ultra 9 mit 22 Kernen (6P + 12E + 4 LPE) und 108 MB L3, der eher als effizienzorientierte bLLC-Alternative eingeordnet werden muss.
Warum Intel erstmals seit 17 Jahren seine L2-Architektur umbaut
Ein Detail, das in der bisherigen Berichterstattung leicht untergegangen ist, dürfte für die langfristige Einordnung wichtiger sein als die bloßen Cachegrößen. Intel verabschiedet sich bei Nova Lake-S erstmals seit Nehalem von einer privaten L2-Cache-Auslegung pro Kern. Stattdessen teilen sich jeweils zwei P-Cores einen gemeinsamen 4-MB-L2-Block. Das reduziert die pro Kern verfügbare L2-Kapazität gegenüber Arrow Lake, wo jeder P-Core exklusiv 3 MB L2 bekam, sorgt aber im Gegenzug für deutlich weniger Ring-Bus-Stopps in der Kommunikation zwischen benachbarten Kernen. Der Designtrick ist klassischer Throughput-gegen-Latenz-Handel: Intel setzt darauf, dass bei hohen Kernanzahlen die Bus-Latenz der limitierende Faktor ist und nicht der private L2-Füllstand.
Der L3-Cache wird ebenfalls neu aufgeteilt. Standardmäßig liegt er auf Nova Lake-S bei 6 MB pro P-Cluster (zwei Kerne) und 3 MB pro E-Cluster (vier Kerne). In der bLLC-Ausführung verdoppeln sich diese Werte auf jeweils 12 MB pro Cluster. Beim 52-Kerner ergibt das die beworbenen 288 MB: 8 P-Cluster × 12 MB = 192 MB plus 8 E-Cluster × 12 MB = 96 MB. Diese Rechnung ist nachvollziehbar und entspricht den bisherigen Jaykihn-Leaks.
Warum das gegen AMDs 3D-V-Cache ein anderer Ansatz ist
Intel verfolgt mit bLLC bewusst einen anderen Weg als AMD. Während AMDs X3D-Produkte auf gestapelten 3D-V-Cache-Chiplets über dem eigentlichen CCD arbeiten, integriert Intel den zusätzlichen Cache planar auf demselben Die. Das hat zwei Konsequenzen. Thermisch liegt der Cache damit nicht über den Kernen und blockiert die Wärmeableitung nicht, was beim 3D-Stacking auf AMD-Seite traditionell eine der größten Auslegungsrestriktionen war – die frühen X3D-Modelle hatten genau deshalb ein niedrigeres Taktlimit. Umgekehrt opfert Intel einen Teil der möglichen Latenzvorteile, die eine direkte 3D-Stapelung über dem Kern theoretisch bieten könnte, und braucht für die gleichen Cachegrößen mehr Die-Fläche.
Die Zahlen in den Leak-Dokumenten sprechen trotzdem eine deutliche Sprache. Geleakte interne Prognosen beziffern den Gaming-Vorsprung einer bLLC-Nova-Lake-CPU gegenüber Arrow Lake mit 30 bis 45 Prozent, die reguläre Nova-Lake-Variante ohne bLLC käme auf 10 bis 15 Prozent. Zusätzlich soll ein ausgebautes „APO+“-Programm Intel-spezifische Gaming-Optimierungen erzwingen können und in der Theorie weitere 15 bis 25 Prozent obendrauf legen, wobei dieses Konzept in der Community auch DRM- und Kompatibilitätsbedenken auslöst, weil Intel dabei offenbar Executables ohne Zustimmung der Entwickler patchen möchte. Das ist noch keine Gewissheit, sondern Ausdruck dessen, wie aggressiv Intel an Zen 6 heranrücken will.
Wie die Plattform drumherum aussieht
Nova Lake-S läuft auf dem neuen LGA1954-Sockel, der laut bisherigen Berichten das Kühlermontagekonzept von LGA1851 und LGA1700 im Wesentlichen übernimmt – Noctua hat bereits Kompatibilität bestätigt. Darüber liegt auf ausgewählten Enthusiasten-Platinen der optionale 2L-ILM-Retention-Mechanismus mit zwei Hebeln, über den wir separat berichtet haben und der genau zu einer Cache-schwereren, großflächigeren Package-Generation passt. Als Speicherunterstützung wird DDR5-8000 genannt, was die Bandbreite gegenüber Arrow Lake noch einmal anhebt, in der Praxis aber nur in Kombination mit hochwertigen Kits und präzisem Speichertraining erreichbar sein wird.
Die Flaggschiff-Compute-Tiles sollen nach aktuellem Stand bei TSMC im N2P-Prozess gefertigt werden, einem der modernsten Nodes überhaupt. Einstiegsvarianten mit weniger Kernen und reduziertem Cache könnten dagegen teilweise auf Intels eigene 18A-Fertigung zurückgreifen, was die Supply-Strategie flexibler macht. Parallele Power-Leaks sprechen allerdings für eine heiße Generation: Die DX-Modelle liegen je nach Quelle zwischen 125 Watt Base-TDP und 175 Watt im Peak-Bereich, und mehrere Branchenbeobachter haben für die Top-SKUs PL2-Werte jenseits der 400 Watt dokumentiert. Wer sich für eine DX-Konfiguration entscheidet, sollte Kühlung und Netzteil entsprechend großzügig dimensionieren.
Was für Gamer und Content-Creator ableitbar ist
Für den reinen Gaming-Einsatz dürfte eine Core-Ultra-400D-Variante mit 144 MB bLLC ausreichen, weil der zweite Compute-Tile in den meisten aktuellen Engines keinen spürbaren Mehrwert bringt. Die interessantere Frage ist, wie sich Intels planare bLLC gegen AMDs 3D-V-Cache in konkreten Titeln schlägt, sobald unabhängige Benchmarks vorliegen. Historisch war der Vorteil der X3D-Linie besonders in speicherlastigen Strategie-, Simulations- und eSports-Titeln groß, in denen die Daten-Lokalität einen deutlich stärkeren Effekt hatte als reine Kernanzahl oder Takt.
Für Workstations und Multitasking-lastige Szenarien ergeben die 52-Kern-DX-Varianten ein eigenes Argument. Die Kombination aus großen Kernanzahlen, 288 MB L3 und DDR5-8000 ist weniger eine Gaming-Optimierung als eine Rückkehr zu einem HEDT-Segment, das Intel zuletzt mit der Xeon-W-2400-Reihe bediente. Der Leak von Jaykihn und Notebookcheck weist ausdrücklich darauf hin, dass Intel bei Nova Lake-S nicht zur Quad-Channel-Architektur oder zur erweiterten PCIe-Lane-Anzahl zurückkehrt – das DX-Branding bleibt also auf der Plattformebene von LGA1954 verankert und ist nicht mit einer eigenen Sockel-Klasse verbunden.
Welche Lücken der Leak offen lässt
Bestätigt ist, dass Intel Nova-Lake-S-CPUs in vier Varianten mit Big-Last-Level-Cache plant: zwei D-Modelle mit Single-Tile und 144 MB bLLC sowie zwei DX-Modelle mit Dual-Tile und 288 MB bLLC. Bestätigt ist auch, dass der gleichzeitig existierende bLLC-Core-Ultra-9 ohne D/DX-Branding mit 108 MB L3 und 65 Watt als Effizienz-Variante auftritt. Nicht offiziell ist bislang der endgültige Preisrahmen, die finalen Boost-Taktraten, die konkreten Launch-Termine pro SKU und die Frage, ob auch Core-Ultra-5-Modelle später eine bLLC-Ausführung bekommen. Intel selbst hat zu keinem dieser Punkte öffentlich Stellung bezogen, und seriöse Details dürften erst rund um die Computex im Juni 2026 konkreter werden.
Ein Cache-Ausbau, der das Kräfteverhältnis im Gaming-Segment verschieben könnte
Die D- und DX-Varianten markieren den ersten Generationenschritt, in dem Intel die Cache-Dimension als eigenständigen Produkthebel begreift und strategisch gegen AMDs X3D positioniert. Sollte sich der erwartete 30- bis 45-Prozent-Gaming-Vorsprung einer bLLC-Konfiguration gegenüber Arrow Lake in unabhängigen Tests bestätigen, wäre das ein ernsthafter Gegenentwurf zur AMD-Dominanz im Gaming-Segment. Gleichzeitig bleibt die planare bLLC-Philosophie riskant, weil sie Intel Fläche und damit Fertigungskosten aufbürdet, die AMD durch 3D-Stapelung spart. Wer bereits heute plant, ob 2026 eine neue Gaming-Plattform oder ein HEDT-artiges Arbeitstier angeschafft werden soll, sollte die Entscheidung hinauszögern, bis die ersten offiziellen Intel-Benchmarks vorliegen. Der Sprung von Arrow Lake auf Nova Lake-S wird in Sachen Cache-Architektur, Kernzahl und Platform-Stromaufnahme deutlich größer ausfallen, als einfache Nachfolger-Updates der letzten Jahre vermuten ließen.
Quellen:
- VideoCardz – Intel Core Ultra 400D/400DX „Nova Lake-S“ SKUs to feature up to 288MB of cache
- TweakTown – Intel’s Nova Lake will unify L2 cache and feature new ‚D‘ and ‚DX‘ lines
- Notebookcheck – Massive Intel Nova Lake leak reveals multiple chips with copious amounts of cache
- Digital Trends – Intel Nova Lake leak is all about one thing: absurd amounts of cache
- Club386 – Intel Nova Lake CPUs may boast absurd amount of cores and cache
- TweakTown – Intel Nova Lake CPU full leak: 52 cores, bLLC is Intel’s answer to X3D cache
Der Beitrag Intel plant Nova-Lake-S-Angriff auf AMDs X3D: Core Ultra 400D und 400DX mit bis zu 288 MB bLLC-Cache erschien zuerst auf Hardware News.
Quelle: Intel plant Nova-Lake-S-Angriff auf AMDs X3D: Core Ultra 400D und 400DX mit bis zu 288 MB bLLC-Cache

by BlackRabbitZ