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Erste HDMI-2.2-Geräte kommen noch dieses Jahr, 96-Gbit/s-Produkte 2027

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Juni
18

Die ersten HDMI-2.2-Geräte kommen noch in diesem Jahr, sagt der CEO der HDMI Licensing Administrator. Dabei handelt es sich zunächst um Produkte mit einem neuen Protokoll, das die Audiosynchronisation bei Receivern oder Soundbars verbessern soll. Geräte mit der höheren Bitrate folgen im kommenden Jahr. Die Aussagen stammen von Rob Tobias, der sich im Rahmen der Computex 2026 zum Stand der HDMI-2.2-Einführung äußerte.

Zwei Wellen statt eines Starts

„Wir sehen die ersten HDMI-2.2-zertifizierten Produkte in diesem Jahr auf den Markt kommen“, erklärte Tobias. Dabei geht es um Produkte mit dem Latency Indication Protocol (LIP), das die Audiosynchronisation bei Receivern oder Soundbars verbessern soll. Weil es sich hierbei „nur“ um ein Protokoll handelt – also um eine Erweiterung auf Software- und Protokollebene –, ist es für Hersteller leichter zu implementieren, ohne auf völlig neue Hardware-Plattformen warten zu müssen. Ebenfalls noch in diesem Jahr sollen die ersten zertifizierten Ultra96-Kabel erscheinen.

Die eigentlich interessante Neuerung, die verdoppelte Bandbreite, lässt dagegen länger auf sich warten. Die Verdopplung der Bitrate auf 96 Gbit/s ist laut Tobias deutlich aufwendiger umzusetzen, da sie neue Chips erfordert, die mit der neuen Signaltechnik Fixed Rate Link 2 (FRL2) umgehen können. „Wir hören, dass Chiphersteller ihre ersten FRL2-Chips dieses Jahr samplen werden. Also sollten wir nächstes Jahr einige HDMI-2.2-Produkte sehen, die bis zu 96 Gbit/s unterstützen“, so der CEO. Welche Gerätekategorien dabei vorangehen – ob zuerst Fernseher, Mediaplayer, Gaming-Monitore oder Soundbars – ließ Tobias offen.

Die wichtigste Verbraucherfalle: Ultra96 heißt nicht automatisch 96 Gbit/s

Hier liegt der für Käufer entscheidende Haken, und er erinnert stark an das Marketing-Durcheinander rund um HDMI 2.1. Die HDMI-2.2-Spezifikation kennt nämlich drei Bandbreitenstufen: 64, 80 und 96 Gbit/s. Die physische Buchse ist dabei nicht anders, und Hersteller müssen nicht alle 2.2-Funktionen unterstützen, um von einem 2.2-Anschluss sprechen zu dürfen. Das Gleiche gilt für die Ultra96-Bezeichnung bei Produkten: Ein Gerät, das „nur“ 64 Gbit/s oder 80 Gbit/s unterstützt – beides höher als bei HDMI 2.1 möglich –, darf den Ultra96-Namen trotzdem verwenden.

Wichtig zur Unterscheidung: Bei Kabeln ist die Kennzeichnung eindeutig. Ein als Ultra96 zertifiziertes Kabel muss die vollen 96 Gbit/s liefern. Bei Geräten dagegen sagt die Aufschrift Ultra96 nichts über die tatsächliche Maximalbandbreite aus. Diese Asymmetrie sorgt bereits jetzt für Kritik, weil sie an die berüchtigte Intransparenz von HDMI 2.1 anknüpft – und an USB-C, wo ein Anschluss ebenfalls längst nicht garantiert, welche Features tatsächlich unterstützt werden. Wer auf maximale Bandbreite Wert legt, kommt also nicht umhin, die Datenblätter genau zu studieren.

Was die höhere Bandbreite konkret bringt

Das HDMI Forum hatte die HDMI-2.2-Spezifikation vor einem Jahr veröffentlicht. Die erhöhte Bandbreite bedeutet, dass Geräte maximal 8K bei 60 Hz unkomprimiert übertragen können. Werden Kompression und Chroma-Subsampling genutzt, schafft HDMI 2.2 bis zu 4K bei 480 Hz oder 16K bei 60 Hz. Zum Vergleich: Bei HDMI 2.1 ist maximal 4K bei 120 Hz unkomprimiert möglich. Hinzu kommen unkomprimierte Full-Chroma-Formate wie 8K60 in 4:4:4 sowie 4K240 in 4:4:4 mit 10- und 12-Bit-Farbtiefe, und auch Auflösungen bis 12K bei 120 Hz und 16K bei 60 Hz sind spezifiziert.

Für die Praxis sind das beeindruckende, aber zunächst weitgehend theoretische Werte. Aktuell gibt es praktisch keine Inhalte, die HDMI 2.2 zwingend erfordern, und der Sprung dürfte vor allem für Premium-Fernseher, hochwertige Gaming-Monitore und High-End-Heimkinosysteme relevant werden. Das LIP-Feature zur besseren AV-Synchronisation ist dabei der Teil, von dem die meisten Nutzer am ehesten und am frühesten profitieren, weil es ein reales, alltägliches Ärgernis adressiert: die Lippensynchronitäts-Probleme in Setups mit Receiver oder Soundbar.

Der Gaming-Bezug: Wer profitiert, wer nicht

Für Spieler ist die Faktenlage gemischt. Aktuelle Konsolen wie PlayStation 5 und Xbox Series X sind auf HDMI 2.1 limitiert und können die neuen Features nicht nutzen. Auf PC-Seite sieht es perspektivisch besser aus: Berichten zufolge sollen kommende Radeon-GPUs auf Basis der RDNA5-Architektur sowie aller Voraussicht nach auch die nächste Konsolengeneration HDMI 2.2 unterstützen. Allerdings mit einer Einschränkung, die das Tier-Problem direkt illustriert – einem Leaker zufolge soll die neue Architektur nicht die vollen 96 Gbit/s, sondern lediglich 64 und 80 Gbit/s bieten. Wer also auf ein HDMI-2.2-Gerät mit voller Bandbreite hofft, sollte genau prüfen, welcher Tier tatsächlich verbaut ist.

Wann mit echten Geräten zu rechnen ist

Beim zeitlichen Ablauf zeichnet sich ein Muster ab, das man von früheren HDMI-Generationen kennt. Das erste HDMI-2.1-Gerät war 2019 ein LG-OLED-Fernseher, weshalb die Chance gut steht, dass auch diesmal ein High-End-TV den Anfang macht. Realistisch dürften erste HDMI-2.2-Fernseher mit voller Bandbreite Ende 2026 oder Anfang 2027 erscheinen, wobei die CES 2027 als wahrscheinliche Bühne für eine erste größere Welle gilt. Die breite Marktdurchdringung wird, wie bei HDMI-Übergängen üblich, noch zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen.

Für die meisten Nutzer besteht damit kein Grund zur Eile. Solange kaum Inhalte existieren, die HDMI 2.2 voraussetzen, und solange die aktuellen Konsolen ohnehin außen vor bleiben, ist ein überstürzter Austausch von Fernseher oder Receiver wenig sinnvoll. Sinnvoll ist dagegen, beim Neukauf in den kommenden Jahren genau hinzuschauen: Die Ultra96-Kennzeichnung allein ist kein verlässlicher Hinweis auf die tatsächliche Leistungsfähigkeit – und wer hier nicht ins Datenblatt schaut, riskiert, ein als „HDMI 2.2″ beworbenes Gerät zu kaufen, das in der Praxis kaum mehr leistet als ein gutes HDMI-2.1-Modell.

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