Intel hat zwei neue Grafikkarten der Arc-Pro-Serie vorgestellt: die Arc Pro B70 und die Arc Pro B65. Beide Karten basieren auf dem neuen BMG-G31-Chip, der größten Ausbaustufe der Battlemage-Generation, und richten sich mit je 32 GByte Grafikspeicher gezielt an Workstation-Nutzer und KI-Entwickler. Die Arc Pro B70 soll für rund 1.000 US-Dollar erhältlich sein, was in Deutschland voraussichtlich 1.050 bis 1.100 Euro entspricht. Damit positioniert Intel seine neuen Karten als leistungsstarke und erschwingliche Alternative zu Nvidias etablierten Profi-GPUs.
Was ist der BMG-G31-Chip?
Die neuen Karten basieren auf dem BMG-G31, dem großen Bruder des bereits bekannten BMG-G21-Chips, der in der Arc Pro B60 und B50 verbaut ist. Der entscheidende Unterschied liegt nicht nur in der Rechenleistung, sondern vor allem in der Systemanbindung: Der BMG-G31 verfügt über ein vollständig bestücktes PCIe-5.0-Interface mit 16 Leitungspaaren – doppelt so viele wie beim Vorgänger. Das bedeutet deutlich mehr Bandbreite zwischen GPU und CPU, was besonders bei speicherintensiven KI-Workloads relevant ist. Ergänzt wird das durch XMX-Einheiten (Xe Matrix Extensions) für Matrixberechnungen, die das Herzstück moderner KI-Beschleunigung bilden.
Technische Daten im Vergleich
Ein direkter Vergleich der neuen Karten mit dem Vorgänger und dem wichtigsten Konkurrenten zeigt die Stärken und Schwächen auf einen Blick:
| Merkmal | Arc Pro B70 | Arc Pro B65 | Arc Pro B60 | Nvidia RTX Pro 4000 |
|---|---|---|---|---|
| Chip | BMG-G31 | BMG-G31 | BMG-G21 | Ada Lovelace |
| Grafikspeicher | 32 GByte | 24 GByte | 16 GByte | 24 GByte |
| PCIe-Interface | PCIe 5.0 x16 | PCIe 5.0 x16 | PCIe 4.0 x8 | PCIe 4.0 x16 |
| TDP (Intel-Design) | 230 Watt | 200 Watt | 150 Watt | 140 Watt |
| TDP (Partner-Range) | 160–290 Watt | 160–290 Watt | – | – |
| DisplayPort | 4x DP 2.1 | 4x DP 2.1 | 4x DP 2.1 | 4x DP 1.4a |
| KI-Beschleuniger | XMX-Einheiten | XMX-Einheiten | XMX-Einheiten | Tensor Cores |
| Preis (UVP) | ca. 1.000 USD | Partnerdesigns | ca. 500 USD | ca. 1.250 USD |
Die Arc Pro B65 wird ausschließlich über Intels Grafikkartenpartner wie ASRock, Sparkle, Gunnir, Maxsun und Lenovo erhältlich sein. Die Arc Pro B70 hingegen wird Intel auch unter eigenem Namen vertreiben.
KI-Leistung: Was leisten 32 GByte in der Praxis?
Der große Speicher ist das zentrale Verkaufsargument beider Karten. Für KI-Entwickler und Unternehmen, die lokale Large Language Models betreiben wollen, ist VRAM die entscheidende Ressource. Intel nennt konkrete Zahlen aus eigenen Benchmarks:
- Llama 3.1 8B: Die Arc Pro B70 ermöglicht ein bis zu 2,2-mal größeres Kontextfenster pro GPU im Vergleich zur Nvidia RTX Pro 4000. Erst bei rund 93.000 Token ist der Speicher ausgeschöpft.
- Ministral Instruct 2410 8B: Bei gleichzeitigen Zugriffen mehrerer Nutzer übertrifft die Arc Pro B70 die RTX Pro 4000 um bis zu 83 Prozent im Token-Durchsatz. Die Time to First Token soll bis zu sechsmal kürzer sein.
- Mistral Small 24B (Viererpack): Auch im Multi-GPU-Betrieb sieht Intel die Arc Pro B70 vorn.
- Qwen3 32B mit FP8 und DS-R1-Distill-Qwen3 mit INT4: Auch bei niedrigeren Präzisionsstufen, die im produktiven Einsatz häufiger genutzt werden, soll die Arc Pro B70 deutlich führen.
Wichtiger Hinweis: Viele dieser Benchmarks nutzen das bFloat16-Format, das speicherintensiver ist als die in der Praxis häufig verwendeten 8-Bit- oder 4-Bit-Quantisierungen. Unabhängige Tests werden zeigen, wie groß der Vorsprung im realen Einsatz tatsächlich ist.
SPECviewperf 15: Workstation-Performance für Profis
Neben KI-Workloads positioniert Intel die Arc Pro B70 auch als Workstation-GPU für professionelle Anwendungen. In der SPECviewperf-15-Suite, dem Industriestandard für Workstation-Grafik, soll die Arc Pro B70 zwischen 4 und 69 Prozent schneller sein als die Arc Pro B60. Die große Spanne erklärt sich durch die unterschiedlichen Testszenarien: In einigen Anwendungen wie CAD oder Medizinvisualisierung profitiert die Karte stärker vom größeren Speicher und der schnelleren PCIe-Anbindung als in anderen.
Zur Arc Pro B65 gibt es vorab keine SPECviewperf-Werte. Da der BMG-G31-Chip hier mit derselben Rechenleistung wie bei der Pro B60 konfiguriert ist, dürfte die Leistungssteigerung vor allem durch den schnelleren Speicher und die verbesserte PCIe-Anbindung kommen.
Videofunktionen und Codec-Unterstützung
Wie alle Arc-Pro-Karten bieten auch B70 und B65 umfangreiche Hardware-Videofunktionen, die den Prozessor entlasten. Unterstützt werden die Codecs H.264, H.265 (HEVC), AV1 und VP9, jeweils mit Hardware-Encoding und -Decoding. Das macht die Karten auch für Content-Creator und Videoproduktionen interessant, die gleichzeitig KI-gestützte Workflows nutzen wollen. Gegenüber Nvidias RTX Pro 4000 bietet Intel hier mit DisplayPort 2.1 zudem modernere Displayanschlüsse für höhere Auflösungen und Bildwiederholraten.
Intel Arc Pro im Marktkontext: Herausforderer gegen Nvidia und AMD
Das professionelle GPU-Segment wird seit Jahren von Nvidia dominiert. Die RTX-Pro-Serie und die ältere Quadro-Linie haben sich als Standard in Workstations etabliert. AMD greift mit der Radeon Pro-Serie an, hat aber ebenfalls Schwierigkeiten, Nvidias Marktführerschaft ernsthaft zu gefährden. Intel betritt dieses Segment mit einem klaren Preisargument: mehr Speicher für weniger Geld.
| Hersteller | Modell | Speicher | TDP | Preis (ca.) |
|---|---|---|---|---|
| Intel | Arc Pro B70 | 32 GByte | 230 Watt | 1.000 USD |
| Nvidia | RTX Pro 4000 | 24 GByte | 140 Watt | 1.250 USD |
| AMD | Radeon Pro W7800 | 32 GByte | 260 Watt | 2.499 USD |
| Nvidia | RTX Pro 6000 | 96 GByte | 300 Watt | 6.300 USD |
Die Arc Pro B70 positioniert sich als attraktive Mittelklasse-Option: mehr Speicher als die Nvidia RTX Pro 4000 zu einem niedrigeren Preis, aber deutlich weniger Speicher als die High-End-Karten von Nvidia oder AMD. Der höhere Stromverbrauch von 230 Watt gegenüber Nvidias 140 Watt ist dabei ein relevanter Faktor für Workstation-Betreiber, die auf Energieeffizienz achten.
Für wen lohnt sich die Arc Pro B70?
- KI-Entwickler und Forscher: Wer lokale LLMs mit großen Kontextfenstern betreiben will, profitiert direkt vom 32-GByte-Speicher. Modelle wie Llama 3.1 8B oder Mistral Small 24B lassen sich ohne Quantisierungsverluste laden.
- Workstation-Nutzer in CAD und Visualisierung: Die SPECviewperf-Ergebnisse zeigen solide Leistungssteigerungen gegenüber der B60. Wer bereits mit Arc Pro arbeitet, findet hier ein sinnvolles Upgrade.
- Unternehmen mit Multi-GPU-Setups: Im Viererpack bietet die Arc Pro B70 laut Intel eine wettbewerbsfähige Leistung für Inferencing-Server im lokalen Betrieb.
- Content-Creator mit KI-Workflows: Die Kombination aus Hardware-Videocodecs und KI-Beschleunigung macht die Karte zu einem Allrounder für moderne Kreativworkflows.
Weniger geeignet ist die Karte für Nutzer, die auf zertifizierte Treiber für spezifische Profi-Anwendungen wie Autodesk Maya, SolidWorks oder Siemens NX angewiesen sind. Hier hat Nvidia mit seiner langen Zertifizierungshistorie noch einen klaren Vorteil.
Intels zweiter Anlauf im Profi-Segment – und was auf dem Spiel steht
Intel hat mit der Battlemage-Generation bewiesen, dass die Arc-Pro-Serie mehr als ein Experiment ist. Die Arc Pro B70 und B65 zeigen, dass Intel den Profi-GPU-Markt ernst nimmt und mit einem klaren Speicher-Preis-Argument antritt. Der Fokus auf KI-Inferencing trifft den Zeitgeist: Lokale KI-Workloads boomen, und der Bedarf an erschwinglichen, speicherreichen GPUs wächst rasant. Ob Intel damit langfristig Marktanteile von Nvidia gewinnen kann, wird von der Treiberqualität, der Software-Ökosystem-Reife und den unabhängigen Benchmark-Ergebnissen abhängen. Die Voraussetzungen sind so gut wie nie zuvor.

by BlackRabbitZ