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Chatkontrolle 2.0: Wie soll das technisch funktionieren

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März
27

Chatkontrolle 2.0: Wie soll das technisch funktionieren – und wird Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ausgehebelt?

📅 Veröffentlicht am: 27. März 2026


🇪🇺 Hintergrund

Die geplante „Chatkontrolle 2.0“ (CSAM-Verordnung der EU) gehört zu den umstrittensten Digitalgesetzen Europas.
Ziel ist die Bekämpfung von Kindesmissbrauch im Internet – insbesondere die Verbreitung entsprechender Inhalte über Messenger und Plattformen.

👉 Das Problem:
Viele dieser Dienste nutzen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2EE) – also ein System, bei dem nur Sender und Empfänger Inhalte lesen können.


⚙️ Die zentrale Frage

👉 Wie können Behörden Inhalte prüfen, wenn sie verschlüsselt sind?

Die Antwort der Politik und einiger Sicherheitsbehörden:
Nicht die Verschlüsselung selbst knacken – sondern vor oder nach der Verschlüsselung ansetzen.


🔐 Die wichtigsten technischen Ansätze

🧠 1. Client-Side-Scanning (CSS) – der Hauptansatz

https://substackcdn.com/image/fetch/%24s_%212wBu%21%2Cf_auto%2Cq_auto%3Agood%2Cfl_progressive%3Asteep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F1003f9a3-7108-4a76-a1f8-a01d4d8360ee_4366x3086.jpeg
https://www.pandasecurity.com/en/mediacenter/src/uploads/2025/01/email-encryption-steps.png
https://www.researchgate.net/publication/341083165/figure/fig1/AS%3A889370877902848%401589053949407/An-exemplary-illustration-of-data-and-privacy-dilemma-in-AI.png

➤ Wie es funktioniert:

  • Eine Software läuft direkt auf deinem Gerät (Smartphone, PC)
  • Bevor eine Nachricht verschlüsselt wird:
    • Inhalte werden lokal analysiert
  • Vergleich mit Datenbanken (z. B. bekannte illegale Bilder via Hash-Werte)
  • Bei Treffer:
    • Meldung an Anbieter oder Behörden

➤ Wichtig:

👉 Die Verschlüsselung bleibt formal bestehen –
aber wird umgangen, weil die Kontrolle vorher passiert


⚠️ Kritik:

  • Gerät wird zum „Überwachungswerkzeug“
  • Scannt alle Inhalte, nicht nur verdächtige
  • Fehleranfällig (False Positives möglich)

🧩 2. Upload-Scanning (Server-seitig vor Veröffentlichung)

https://besedo.com/wp-content-ext/uploads/2023/11/content-filtering-content-moderation.png
https://substackcdn.com/image/fetch/%24s_%21-iBE%21%2Cf_auto%2Cq_auto%3Agood%2Cfl_progressive%3Asteep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F774b4c5f-a728-41b3-9333-ac1beafb8e49_1031x558.jpeg
https://cf-assets.www.cloudflare.com/zkvhlag99gkb/4AbFvKTllB8PtLhuXka8Cd/83db523c6bab38856bdf3c8aa757c39e/csam-tool.png

➤ Wie es funktioniert:

  • Inhalte werden beim Hochladen geprüft
  • Betrifft eher:
    • Cloud-Dienste
    • soziale Netzwerke

➤ Einschränkung:

  • Funktioniert nicht bei echter Ende-zu-Ende-Kommunikation
    (z. B. private Chats)

🔓 3. „Hintertüren“ (Backdoors) – theoretisch möglich, politisch umstritten

https://pmecdn.protonweb.com/image-transformation/?height=696&image=encryption_backdoor_desktop_e9a11d5474.png&s=s&width=776
https://learn.g2.com/hubfs/G2CM_FI039_Learn_Article_Images-%5BPublic_key_encryption%5D_V1a.png
https://cdn.prod.website-files.com/5ff66329429d880392f6cba2/66a36dcab52f20c519ae9afa_63e4c50ff1ed0f3a82d4b2f1_backdoor%2520attack%2520in%2520action.jpeg

➤ Idee:

  • Systeme werden so gebaut, dass Behörden Zugriff bekommen

➤ Problem:

  • Schwächt Sicherheit für alle Nutzer
  • Könnte von Hackern ausgenutzt werden

👉 Offiziell wird dieser Ansatz in der EU meist nicht offen gefordert,
aber technisch wäre er eine Möglichkeit


📱 4. Metadaten-Analyse

https://review-help.revealdata.com/en/image/uuid-71049fd6-7f3f-8497-ea47-c77b8b9b272b.png
https://www.researchgate.net/publication/4237993/figure/fig1/AS%3A279900297678857%401443744839490/This-diagram-displays-the-relationship-between-Meta-Privacy-and-the-various-data-elements.png
https://www.researchgate.net/publication/329637465/figure/fig3/AS%3A703567929303041%401544755074485/Communities-formed-by-threat-intelligence-sharing-relationships-in-the-cybersecurity_Q320.jpg

➤ Was ausgewertet wird:

  • Wer schreibt mit wem
  • Wann und wie oft
  • Standortdaten (teilweise)

👉 Inhalte bleiben verschlüsselt,
aber Verhaltensmuster werden sichtbar


🤖 5. KI-gestützte Erkennung (zukünftiger Ausbau)

https://media.springernature.com/lw1200/springer-static/image/art%3A10.1007%2Fs44196-025-00783-x/MediaObjects/44196_2025_783_Fig1_HTML.png
https://static.azati.ai/web-site/res/blog/image-detection-recognition-classification-ai/image-detection-recognition-classification-ai.png
https://media.springernature.com/lw685/springer-static/image/art%3A10.1007%2Fs13278-022-00951-3/MediaObjects/13278_2022_951_Fig7_HTML.png

➤ Einsatz:

  • Analyse von Bildern, Videos, Texten
  • auch für bisher unbekannte Inhalte („Grooming“-Erkennung)

➤ Risiko:

  • Fehlinterpretationen
  • schwer nachvollziehbare Entscheidungen

🇩🇪 Was bedeutet das für Deutschland?

Wenn die Chatkontrolle beschlossen wird:

➡️ Gilt sie direkt in Deutschland (EU-Verordnung)

Konkrete Folgen:

  • Messenger könnten verpflichtet werden:
    • Inhalte zu scannen
    • verdächtige Inhalte zu melden
  • Geräte könnten Teil der Überwachung werden

👉 Betroffen wären u. a.:

  • WhatsApp
  • Signal
  • Telegram
  • ggf. auch E-Mail-Dienste

⚖️ Der Kernkonflikt

🛡️ Befürworter sagen:

  • Schutz von Kindern hat höchste Priorität
  • Ermittler brauchen neue Werkzeuge
  • Verschlüsselung darf kein „Schutzraum für Kriminelle“ sein

🔒 Kritiker sagen:

  • Ende echter Privatsphäre
  • Massenüberwachung aller Nutzer
  • Gefährdung von Journalisten, Whistleblowern, Aktivisten
  • Einmal eingeführt → Ausweitung auf andere Inhalte möglich

🧠 Einordnung

👉 Technisch gesehen wird Verschlüsselung nicht direkt geknackt

ABER:

➡️ Sie wird umgangen, indem man:

  • vor der Verschlüsselung scannt
  • oder auf dem Gerät selbst ansetzt

📊 Fazit

Die Chatkontrolle 2.0 würde einen fundamentalen Wandel bedeuten:

👉 Vom Prinzip:
„Nur Sender und Empfänger können lesen“

➡️ hin zu:
„Inhalte können vorab geprüft werden“


🔎 Quellen (Auswahl)